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HB - Testen lassen oder nicht

Autor Nachricht
Verfasst am: 22. 08. 10 [10:58]
anouk
Dabei seit: 13.12.2007
Beiträge: 7075
@Paczka,

du hast so viel Treffendes dazu geschrieben, dass ich nur noch etwas zu bedenken geben möchte.

Hochbegabung sollte nicht als Entschuldigung oder Freifahrtschein für eventuell überhebliches Verhalten anderen Menschen gegenüber herhalten. Niemand kann etwas dafür, dass er/sie hochbegabt - oder eben nicht - ist.

Hochbegabte ticken hier und da tatsächlich schon mal etwas anders, doch das Zusammenleben und -arbeiten mit dem Rest der Bevölkerung (immerhin sind das ungefähr 98%), bzw. einem Teil davon, lässt sich mit entsprechender innerer Einstellung recht angenehm gestalten.

Wer damit Probleme haben sollte, wäre gut beraten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dort wird man sich dem Kern der Sache nähern und in der Folge ausloten können, wo sich was verbessern lässt.

Dann läuft es auch besser mit dem Nachbarn! icon_wink.gif

Manchmal ähnelt Kommunikation dem Gehen in Stilettos auf Kopfsteinpflaster. http://s2.rimg.info/8aad7be95ef1530cba1d004358238412.gif
Verfasst am: 23. 08. 10 [14:41]
ABCD31415
Dabei seit: 21.08.2010
Beiträge: 4
Ah also das "narzisstisch" war nicht im pathologischen Sinne gemeint!
Ich meinte damit die eher "normalen" vor einem selbst versteckten Motivationen (der schlecht gelaunte Chef, der beim Meeting einen Mitarbeiter zur Schnecke macht...)

Ich denke also nicht, dass Liebenswertigkeit (gibt's das Wort?) und Intelligenz korrelieren.

Es ist auch nicht so, dass mir Narzissmus vorgeworfen würde oder dass "die andern mich nicht mögen"... Sry, wahrscheinlich habe ich mich hier unglücklich ausgedrückt...
Meine Unsicherheit stammt eher z.B. aus der nicht bestreitbaren Tatsache, dass ich z.B. vor Prüfungssitustionen heftige Angst habe was doch auf eine gewisse überbetonung der Bedeutung von Leistung hinweist und die zugrunde liegenden Tendenzen demnach durchaus meine allgemeine Wahrnehmung sowie mein Handeln unbewusst beeinflussen könnten (unter der Annahme, dass wenn die Gründe bewusst wären, ich Lösungsstrategien entwickeln könnte bzw sich die Angst von selbst auflöste).
Die Reaktionen meiner Umwelt sind zwiespältig und demnach ein weiterer verunsichernder Faktor (von "schüchtern"/"Licht unter den Scheffel stellen" hin zu "stark"/"meine mir zuviel rausnehmen zu dürfen", "intelligent" zu "klugscheißer" oder "nich so schlau"...) .
Ebenso wie einige... Dissonazen... zwischen eigener Wahrnehmung und Feedback.. Hoffe, das erklärt etwas, was ich meine...


Eigentlich möchte ich gar nicht so sehr auf HB oder nicht hinaus.
Außer in seltenen Anflügen (durch die ich wohl hier reinschneite) die jedoch schnell wieder vergehen, bin ich mir sicher, dass ich es nicht bin (aber so wie ich den Willkommens-Text verstanden habe, dürfen hier ja durchaus auch "Normalos" schreiben)
Nun, der Thread heißt "HB - Teste lassen oder nicht" also ist meine Frage vll nur für mich nicht Thema verfehlt... Hmmm...

Warum also die Frage hier?
Weil ich denke, dass in einem Test der Wunsch nach Gewissheit liegt, die Prüfung einer These, ein Fixpunkt, ein "Beweis".
Und weil ich annehme, dass es gerade in einem solchen Forum, bei dem es nicht vornehmlich um Fachfragen geht, (u.a.) Leute gibt, die einen "Leidensweg" (gewichtiges Wort - muss aber kein großer sein) hinter sich haben.
Da ich gelesen habe, dass begabte sich teilweise die Frage stellen, ob etwas mit ihnen nicht stimme, müssten ergo hier einige darunter sein, die Probleme hatten/haben, sich selbst richtig einzuschätzen.
In denen aber allmälig eine These heranreifte, die irgendwann gewiss genug wurde um sie einem Test zu unterziehen und die sich dann bestätigte oder auch mal nicht (auch diese Fälle wären interessant).
Mich interessiert nun, wie diese "Gewissheit" langsam größer wurde und wie bis dahin mit den widersprüchlichen Feedbacks aus der Umwelt und innerem Zwiespalt umgegangen wurde.

Denn... das mit der Selbsteinschätzung ist so eine Sache....
Das "unbewusste" ist immer schlagendes Argument (der Irrenhaus Insasse der sich normal findet und damit gerade seinen Wahn bestätigt)
Das Rosenhan-Experiment zeigt deutlich die Abhängigkeit der eigenen Realität von der erwarteten.
Beim Rosenthal-Effekt wird auch der Rückkopplungs-Effekt zwischen Umwelt und Selbstbild deutlich.
Versuche ich's "wissenschaftlich" anzugehen, und eine Theorie daran zu messen, inwieweit sie in der Lage ist, Vorhersagen über die Realität zu geben, kommt leider nichts recht konsistentes bei raus...


Hm... erscheint irgendwie so müßig wie die Frage nach der Erkenntnis der "wahren" Realität...


... Nun ja... Ich werd die Augen offen halten dann ergeben sich die Tendenzen ja sicher mit der Zeit.


LG

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 23.08.2010 um 15:56.]
Verfasst am: 23. 08. 10 [16:54]
logomania
Dabei seit: 04.01.2008
Beiträge: 848
anouk schrieb:
Hochbegabte ticken hier und da tatsächlich schon mal etwas anders, doch das Zusammenleben und -arbeiten mit dem Rest der Bevölkerung (immerhin sind das ungefähr 98%), bzw. einem Teil davon, lässt sich mit entsprechender innerer Einstellung recht angenehm gestalten.


Nun, darüber wurde hier schon viel diskutiert, und nicht wenige kamen zu dem Schluss, dass das Zusammenleben weiterhin schwierig ist und man sich am besten einen gleich gestrickten Freundes- und Bekanntenkreis sucht, um einen Ausgleich zum möglicherweise weniger prickelnden Alltag zu haben. Und aus meinem Instrumentarium zum Angenehm-Gestalten ist "Anpassung nach unten" definitiv raus gefallen, denn das gehörte für mich immer zu den extrem unangenehmen, selbstverleugnerischen Aspekten.

anouk schrieb:
Wer damit Probleme haben sollte, wäre gut beraten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dort wird man sich dem Kern der Sache nähern und in der Folge ausloten können, wo sich was verbessern lässt.
Dann läuft es auch besser mit dem Nachbarn! icon_wink.gif


Wie arrogant ist das denn? icon_eek.gif


"Hmm... Difficult. Very difficult. Plenty of courage, I see. Not a bad mind, either. There´s talent, oh my goodness, yes - and a nice thirst to prove yourself, now that´s interesting... So where shall I put you?"
Verfasst am: 23. 08. 10 [16:59]
logomania
Dabei seit: 04.01.2008
Beiträge: 848
ABCD31415,

du bist mit diesen Fragen hier schon ganz richtig. Eindeutige Antworten dazu gibt es allerdings nicht, bzw. für jeden eine andere.

Hast du mal in die Biografien-Sammlung späterkannter Hochbegabter von Andrea Brackmann reingeschaut? Das Buch heißt "Ganz normal hochbegabt", und da wimmelt es von Unsicherheiten und Fragen, die eine mögliche HB und das eigene Leben betreffen.

"Hmm... Difficult. Very difficult. Plenty of courage, I see. Not a bad mind, either. There´s talent, oh my goodness, yes - and a nice thirst to prove yourself, now that´s interesting... So where shall I put you?"
Verfasst am: 23. 08. 10 [17:58]
anouk
Dabei seit: 13.12.2007
Beiträge: 7075
logomania schrieb:

anouk schrieb:
Wer damit Probleme haben sollte, wäre gut beraten, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dort wird man sich dem Kern der Sache nähern und in der Folge ausloten können, wo sich was verbessern lässt.
Dann läuft es auch besser mit dem Nachbarn! icon_wink.gif


Wie arrogant ist das denn? icon_eek.gif

Ich verstehe deine Reaktion nicht. Wenn z.B. jemand Schwierigkeiten oder Probleme mit den Arbeitskollegen hat, dann kann man sich doch professionelle Hilfe suchen, um Strategien zu entwickeln, die es leichter machen, mit den Gegebenheiten am Arbeitsplatz zurechtzukommen. Nicht jeder hat das Glück, einen hundertprozentig passenden Job mit hundertprozentig passenden Kollegen ausüben zu können.

Zusätzlich weiss ich nicht, was daran so schlimm sein soll, sich mit den Menschen, die nicht hochbegabt sind, auf vernünftige Art und Weise zu arrangieren. Im Beruf bleibt doch oft keine andere Wahl.

Es sind Menschen - nicht mehr und nicht weniger - wie wir alle. Sie sind doch nicht von einer hochgradig ansteckenden tödlichen Seuche befallen, die es unter allen Umständen zu meiden gilt.

Manchmal ähnelt Kommunikation dem Gehen in Stilettos auf Kopfsteinpflaster. http://s2.rimg.info/8aad7be95ef1530cba1d004358238412.gif
Verfasst am: 23. 08. 10 [18:59]
occu
Dabei seit: 24.12.2007
Beiträge: 1892
@ anouk kurze spekulation von mir,spontan durch den kopf getingelt beim lesen der postings:

Der Terminus "sollte sich professionelle Hilfe suchen" liesse sich unter Umständen so interpretieren,das du damit ne "Kopf-grade-rücken"-sitzungsserie beim Psychiater irgendwessen Wahl meintest. Im NAchhinein gäbe es da allerdings noch die möglichkeit,das du in wirklichkeit HB.Coaches oder Sozialumgangsverbesserungscoaches gemeint hast.
Das erste liesstsich wie "wer mit NBs nicht klarkommt,hat ne Macke", das zuweite klingt wie "HBs sind celver und bitten hochrangige Experten um Profitipps".

Kann sich ja jeder raussuchenw,as ihm besser gefällt icon_smile.gif

occu

btw: da oben muss irgendwo ein komma udn ein leerziechen weiter links/rechts/umtausch gebastelt werden. wers findet,kriegt beim Treffen nen Gummibärchen.

"Niemand sollte leugnen müssen, woher er kommt. Keiner soll sich schämen zu sagen;ich hab reiche Eltern, oder ich habe arme Eltern. Schämen muß ich mich nur, wenn ich nicht echt bin und verleugne wer ich bin und woher ich komme." Shemesh,hier im Forum

"Wir glauben nicht an Könige,Präsidenten,Priester oder Freie Wahlen,wir glauben an groben Konsens und lauffähigen Code"

http://www.smileygarden.de/smilie/Aliens/ptitmartien.gif
Verfasst am: 23. 08. 10 [19:19]
anouk
Dabei seit: 13.12.2007
Beiträge: 7075
@Occu, du hast Recht. Beim nochmaligen Durchlesen bin ich dann auch dahinter gestiegen, dass mein Beitrag in der Hinsicht ziemlich unklar ausgedrückt war. Mir ging es, wie du richtig vermutet hast, um Möglichkeiten wie Supervision, Coaching, Seminare für ganze Teams, etc.

Sorry, wenn das zu reichlicher Verwirrung und Missverständnissen geführt haben sollte! Ich habe wohl den klärenden Zwischensatz in meinem Gehirn angedacht und dann nicht hier im Beitrag niedergeschrieben. icon_redface.gif

Gut, dass dein in grün gebettetes Auge so extrem wachsam gucken kann und auf's Vortrefflichste mit deinem blitzschnellen Gehirn verdrahtet ist! icon_bow.gif

Manchmal ähnelt Kommunikation dem Gehen in Stilettos auf Kopfsteinpflaster. http://s2.rimg.info/8aad7be95ef1530cba1d004358238412.gif
Verfasst am: 23. 08. 10 [20:27]
Fleuret80
Dabei seit: 26.12.2007
Beiträge: 664
@anouk:
Bei mir ist dein Post auch so angekommen wie wohl bei logomania bzw. in occus erster Variante umschrieben.

@occu:
Danke, durch deinen Post ist mir etwas klargeworden.

@all:

Ohne auf diesem Missverständnis an sich herumreiten zu wollen, möchte ich hinzufügen, dass du eine andere Ebene der Kommunikation ansprichst als die, die ich persönlich wirklich als problematisch empfinde:

- Dass man sich mit Menschen im beruflichen und auch im weiteren privaten Umfeld (wie Nachbarn, Verkäufer, was-weiß-ich) arrangieren muss, sehe ich sofort ein. Auch (aus eigener Erfahrung) dass es hilft, hierzu mal durch Coaching einen neutralen Blick auf fremdes und eigenes Verhalten und eigene Interpretationen zu werfen, und ggf. schlechte Angewohnheiten im Umgang mit anderen und sich selbst (Stichwort: zu streng mit sich sein un Perfektionismus) abzulegen.

- Selbst wenn ich all das beachte, fällt mir jedoch auf, dass es mir nur auf sehr oberflächliche Weise hilft: Ich habe weniger Alltags-Scherereien, mache mir ein paar weniger Gedanken um Situationen, um die sich andere sowieso gar keine machen, und behalte im Extremfalls vielleicht meinen Job )der aber vielleicht, du deutetest es an, gar nicht soo gut zu mir passt).
Was bleibt, ist leider das, was unter der so aufgebauten dünnen Kruste als Vulkan weiterbrodelt: Das Unverstandensein, das Sich-Bremsen (das ja durch Coaching nicht zwangsläufig verschwindet, sondern in einigen Situationen eher noch bewusster und stärker wird), der Eindruck, sich auf keinen Fall so geben zu dürfen wie man ist und zu sagen, was man denkt.

Für mich ist das ein existenzielles Problem. Nicht, dass ich mich permanent einsam und verlassen fühlen würde. Schließlich sind Hochbegabte auch nur Menschen, und deshalb gelingt es uns auch, von Zeit zu Zeit innere Verbundenheit mit anderen Menschen zu spüren. Dennoch gibt es diesen Stachel, dass wir uns eben meist in Umgebungen aufhalten (müssen), in denen die anderen in einem (und wie ich finde: doch eben nicht ganz unentscheidenden) Merkmal sehr stark von uns abweichen. Und in diesem Zusammenhang wünsche ich mir sehnlich, mal sein zu dürfen, wie ich bin, sagen zu dürfen, "was" ich bin und auch anderen (gelegentlich) mitzuteilen, dass eben nicht ich zu schnell, zu wild, zu anstrengend bin, sondern vielleicht sie aus meiner Sicht langsam und langweilig.

Greeds

Fl_



[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 23.08.2010 um 20:28.]
Verfasst am: 23. 08. 10 [20:38]
DichterWald
Dabei seit: 02.03.2010
Beiträge: 737
Fleuret80 schrieb:

- Selbst wenn ich all das beachte, fällt mir jedoch auf, dass es mir nur auf sehr oberflächliche Weise hilft: Ich habe weniger Alltags-Scherereien, mache mir ein paar weniger Gedanken um Situationen, um die sich andere sowieso gar keine machen, und behalte im Extremfalls vielleicht meinen Job )der aber vielleicht, du deutetest es an, gar nicht soo gut zu mir passt).
Was bleibt, ist leider das, was unter der so aufgebauten dünnen Kruste als Vulkan weiterbrodelt: Das Unverstandensein, das Sich-Bremsen (das ja durch Coaching nicht zwangsläufig verschwindet, sondern in einigen Situationen eher noch bewusster und stärker wird), der Eindruck, sich auf keinen Fall so geben zu dürfen wie man ist und zu sagen, was man denkt.

Für mich ist das ein existenzielles Problem.


Sehe ich ähnlich. Gibt's denn dafür irgendwelche Lösungsansätze, außer: such dir Gleichgesinnte (die muss man ja erst mal finden)?

Intelligenz ist ein Geschenk des Teufels. (Dostojewski)
Verfasst am: 23. 08. 10 [20:50]
N.A. Wir kommen hier immer wieder ins Rutschen, so wir Hochbegabung als eine Konstante erachten, über die man sein Leben definieren könnte. Für mich gilt nach wie vor, dass jeder Mensch seinen eigenen Lebensweg, sein Temperament, seinen eigenen Chararakter hat, kurzum sehr individuelle Umstände, Bedingungen und daraus resultierende Bedürfnisse. Rechnet man hoch, wieviele HBs im deutschsprachigen Raum es geben müsste, dann ist davon nur ein winziger Bruchteil davon in entsprechenden Foren angemeldet.

logomania schrieb:
Nun, darüber wurde hier schon viel diskutiert, und nicht wenige kamen zu dem Schluss, dass das Zusammenleben weiterhin schwierig ist und man sich am besten einen gleich gestrickten Freundes- und Bekanntenkreis sucht, um einen Ausgleich zum möglicherweise weniger prickelnden Alltag zu haben. Und aus meinem Instrumentarium zum Angenehm-Gestalten ist "Anpassung nach unten" definitiv raus gefallen, denn das gehörte für mich immer zu den extrem unangenehmen, selbstverleugnerischen Aspekten.

Dies ist Deine, logomania, unbestritten auf eigener Erfahrung beruhende Schlussfolgerung, die jedoch nicht unbedingt von allgemeiner Gültigkeit sein muss, denn andere HBs können völlig andere Erfahrungen gemacht haben.

Insofern bewegen wir uns doch alle gewissermaßen in einer nicht definierbaren Grauzone zwischen intellektuellen Leistungsvermögen, nachweisbar durch anerkannte IQ-Tests und der Selbstverwirklichung, wozu ich auch die gesellschaftliche Akzeptanz zähle. HB alleine ist nicht für alles verantwortlich zu machen. Aber ich kann es nachvollziehen, dass manchen aufgrund schlechter Erfahrungen der Kragen platzt und man daher zu Verallgemeinerungen geneigt ist. Hochbegabung als solche erklärt aus meiner Sicht jedenfalls nicht alles.

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 23.08.2010 um 20:53.]
Verfasst am: 23. 08. 10 [21:33]
N.A. Meint Ihr, die großen Denker wären nicht einsam gewesen? Aristoteles usw.. Auch Michelangelo klagte über Melancholie, war todunglücklich, dass ihm der Papst seine Skulpuren nicht ausführen ließ, im statt dessen mit der Gestaltung der Decke der sixtinischen Kapelle beauftragte, worin er sich anfangs überhaupt nicht auskannte. So erging es vielen Menschen, die große Berühmtheit erlangten. Die haben einfach gelesen, sich mit ihren Vorgängern und den aktuellen Fragen ihrer Zeit konstruktiv auseinandergesetzt und Neues geschaffen.

Erst durch gesellschaftliche Umwälzungen gab es ab etwa 1800 plötzlich kein Mäzenatentum, keinen Auftraggeber, dem man nach seinem Mund plappern musste, sondern als Dichter, Denker, Künstler war man auf sich gestellt. Erst dann setzte so richtig der Kult des einsamen Genies ein, das von der Welt unverstanden sich empfindet. Kinders, das haben die Leute vor 200 Jahren vorexerziert. Habt Ihr heute etwas Neueres zu bieten?

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 23.08.2010 um 21:34.]
Verfasst am: 23. 08. 10 [21:35]
logomania
Dabei seit: 04.01.2008
Beiträge: 848
natura, dann lass mich bitte an deinen Erfahrungen und Lösungsstrategien teilhaben.

Hier stand eine konkrete Frage im Raum: Wie damit im Alltag umgehen. Und zwar nicht theoretisch, sondern ganz praktisch.

"Hmm... Difficult. Very difficult. Plenty of courage, I see. Not a bad mind, either. There´s talent, oh my goodness, yes - and a nice thirst to prove yourself, now that´s interesting... So where shall I put you?"
Verfasst am: 23. 08. 10 [21:59]
N.A. Logomania,

das Blöde daran ist, dass jeder selber für sich die passenden Lösungen erarbeiten muss. Daran führt leider kein Weg vorbei. Praktisch bedeutet das, dass man irgendwelchen Anweisungen strikt folgt, selbst wenn sie einem überhaupt nicht passen, oder man entwickelt selber eine Theorie, mit der man, in Praxis umgesetzt, glücklich und zufrieden ist. Zu meinem Verdruss bin ich darin leider keine Meisterin. Aber wenigtens beklage ich mich darüber nicht und gehe mit Patentrezepten sehr vorsichtig um. icon_mrgreen.gif
Verfasst am: 23. 08. 10 [22:02]
Fleuret80
Dabei seit: 26.12.2007
Beiträge: 664
natura schrieb:

Insofern bewegen wir uns doch alle gewissermaßen in einer nicht definierbaren Grauzone zwischen intellektuellen Leistungsvermögen, nachweisbar durch anerkannte IQ-Tests und der Selbstverwirklichung, wozu ich auch die gesellschaftliche Akzeptanz zähle. HB alleine ist nicht für alles verantwortlich zu machen. Aber ich kann es nachvollziehen, dass manchen aufgrund schlechter Erfahrungen der Kragen platzt und man daher zu Verallgemeinerungen geneigt ist. Hochbegabung als solche erklärt aus meiner Sicht jedenfalls nicht alles.


@natura:
Ich weiß wirklich nicht, was diese ewigen Relativierungen sollen, denn wenn wir alle überhaupt kein Problem hätten, bzw. es schaffen würden, dies nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch und emotional so zu sehen, würden die meisten hier wahrscheinlich nicht schreiben.

Im Übrigen bewegen wir uns nicht "gewissenmaßen in einer nicht definierbaren Grauzone", sondern in einem Spannungsfeld. Zu diesem gehört für die meisten von uns (bei manchen durch IQ-Tests nachgewiesen, bei anderen auf Basis gut begründeter Vermutung) eine Eigenschaft, die wir in weit überdurchschnittlich ausgeprägtem Maße besitzen, und die, wenn man sich die neuere (und auf Englisch erhältliche nicht mehr ganz so neue) Literatur ansieht, nicht bloß das Intellektuelle im engsten Sinne, sondern auch Wahrnehmung, Gefühle, Motivationsstrukturen u.ä. umfasst.

Dies sind - mit Verlaub - schon ziemlich viele der Aspekte, die jemand, der mit dem "nicht alles geht auf Hb zurück"-Argument kommt, mit in den Blick genommen haben möchte. Das heißt im Umkehrschluss natürlich noch lange nicht, dass Hb alles erklärt. Aber es gibt gute Gründe, davon auszugehen, dass sie uns als ganze Menschen und ganze Persönlichkeiten - und dies von Anfang an, alle unsere Erfahrungen - prägt. Wir haben auch keine Chance, diesen Modus wirklich abzulegen. Und daher halte ich es für ein legitimes Anliegen, darüber zu diskutieren, wie man mit bestimmten Erfahrungen "als Hb" oder "mit Hb" umgeht.

Ob wir diese darüber hinaus noch unter anderen Gesichtspunkten (ADHS; andere psychische Krankheiten, Missbrauch, ungünstige Lebensverhältnisse) diskutieren sollten, kann darüber hinaus jedem einzelnen überlassen bleiben. Und meiner Schätzung zufolge gibt es einige, die den Austausch auch unter diesen anderen Gesichtspunkten zeitlich parallel oder versetzt suchen. Warum also nicht beim in diesem Forum Eigentlichen bleiben?
Verfasst am: 23. 08. 10 [22:24]
DichterWald
Dabei seit: 02.03.2010
Beiträge: 737
logomania schrieb:

Hier stand eine konkrete Frage im Raum: Wie damit im Alltag umgehen. Und zwar nicht theoretisch, sondern ganz praktisch.


Interessant finde ich, dass es - wie ich aus den Beiträgen hier rausgehört habe, für einige HBs ein großes Problem ist, andere HBs wiederum finden dass ziemlich unproblematisch. Ich frage mich, woran das liegt. Wenn das tatsächlich unter HBs als so unterschiedlich empfunden, kann das dann überhaupt ursächlich mit HB zusammenhängen? Insofern ist Naturas Frage/Kommentar schon irgendwie berechtigt. Woher diese Unterschiedlichkeit?

Intelligenz ist ein Geschenk des Teufels. (Dostojewski)