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(Umfrage) Veränderung nach HB Diagnose?

Autor Nachricht
Verfasst am: 17. 07. 09 [23:58]
katika
(gelöscht)
Dabei seit: 25.12.2007
Beiträge: 743
Ich könnte hier wahrscheinlich eine ganze Menge schreiben, möchte mich aber auf das Wesentliche beschränken und mich kurz halten:

Die "Diagnose" oder das Wissen hb zu sein, hat mir die Möglichkeit eröffnet, zu erkennen, dass es zwischen mir und meiner Umwelt unterschiedliche Selbstverständlichkeiten gibt. Für mich Logisches und Offensichtliches muss sich mein Gegenüber oft mühsam erarbeiten. Seit ich das "verstanden" habe, höre ich meinem Gegenüber ganz anders zu und kann ihn / sie wesentlich besser dort abholen, wo sie / er ist.
Auch nutze ich ein paar Fähigkeiten heute ganz bewusst und gezielt und nicht mehr nur "nebenher" und betrachte somit das Ergebnis dieser Wahrnehmung nicht mehr als "unangenehmes" oder eben nicht auszuschaltendes "Nebenprodukt"...!

Schwierigkeiten bereitet mir, dass es Menschen gibt, die von meiner HB wissen und ich Angst vor falschem Erwartungsdruck habe (dabei setzt mich keiner unter Druck und es werden auch keine falschen oder überzogenen Erwartungen an mich gestellt).
Ich weiß, dass die Angst unbegründet ist und ich arbeite daran, darauf zu vertrauen, dass diese Menschen verantwortungsvoll mit dem Wissen umgehen.
Verfasst am: 07. 01. 10 [17:31]
almai
Dabei seit: 13.11.2009
Beiträge: 9
Auch ich habe vor Kurzem mit knapp 40 die Diagnose HB erhalten. Ich wollte einen ADS-Verdacht abklären und da heißt es plötzlich, dass ich so etwas wie "hochbegabt" bin. Ich bin mir noch nicht sicher, was das Konzept "Hochbegabung" eigentlich genau bedeuten soll. Und ich kann der Diagnose aktuell noch nichts Positives abgewinnen. Ich gehe nur von mir aus und hoffe, dass ich keinem hier im Forum zu nahe trete. Aber vielleicht sind die beiden Buchstaben "HB" doch nur eine freundliche Umschreibung für "hat 'ne Meise". Denn all die Nebeneffekte, die sich mit so einer Hochbegabung einstellen, waren bei mir doch sehr ausgeprägt und hatten in meiner Jugend einen deutlichen Leidensdruck aufgebaut. Ich kann mir jetzt zwar sagen, "Hey supi, meine Unfähigkeit zu Small-Talk, meine Borderline-Symptome, meine Ungeduld und das Gefühl, auf dem falschen Planeten gelandet zu sein, kommen daher, dass ich hochbegabt bin. Ich bin zwar sozial schwer vermittelbar, kann dafür aber besonders toll Zahlenreihen vervollständigen oder Gemeinsamkeiten in kleinen bunten Bildchen finden, feil echt!" Es ist natürlich immer toll, dem Kind einen Namen geben zu können, ich bin mir aktuell aber noch nicht ganz sicher, ob dies nur eine fandenscheiniges Reframing ist. Vielleicht habe ich auch einfach noch nicht den Wert der Information erfasst. Ich komme mittlerweile gut mit meinem Andersein zurecht, doch frei nach dem Motto "Sei schlau, bleib dumm!" denke ich mir manchmal, dass es besser gewesen wäre, ein bisserl langsamer, dafür gründlicher denken zu können. Ich denke, dass mir da viele sog. HBs zustimmen können.

Gruß, almai

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 07.01.2010 um 17:38.]
Verfasst am: 23. 01. 10 [13:36]
epsilon82
Dabei seit: 23.01.2009
Beiträge: 77
Oh, meine Erfahrungen mit der HB?

Dass ich nicht doof bin, wusste ich vorher schon. Daher war der Test eher eine Bestätigung. Mein Umfeld hat anders reagiert.
Zur Vorgeschichte: Ich habe den Test damals während meines Praxissemesters in einer diagnostischen Erziehungsberatungsstelle gemacht. Ich durfte in dieser Einrichtung so ziemlich gar nichts. Zuhören, nicken und Protokolle schreiben. Ich durfte keine eigenen Sachen machen oder mit den Leute dort reden, die zu dieser Erziehungsberatungsstelle kamen.
Nach dem Test durfte ich das alles. Verrückt dachte ich. Da brauchen Psychologen eine Zahl, um meine Kompetenzen einzuordnen?
Und dann hatten sie mich daraufhin getestet, wie gut ich Strukturuzusammenhänge erkenne und lassen mich dann auf Eltern los, die Probleme mit ihren Sprößlingen haben. Verrückt.

Dann kam Neid auf. Eine Arbeitskollegin (Psychologin) ritt desöfteren auf meinen Ergebnissen herum und meinte mir sagen zu müssen, dass es mit meiner "paktischen Intelligenz" ja nicht so weit her sei, wenn ich dieses und jenes anders machte.
Meine Freundin hat es anfangs irritiert, aber nun ist alles okay.

Aber ich erzähle es niemandem. Mein Chef und auf Freunde wissen es nicht.

Für mich habe ich aber vieles verstanden und akzeptiert.
Bin so und gut is. icon_mrgreen.gif

Setze jetzt mehr auf meine Stärken.

Epsilon82

Denken, Denken, Denken, ....
Verfasst am: 23. 01. 10 [21:57]
levi-montalcino
Dabei seit: 08.04.2009
Beiträge: 148
Ich habe die "Diagnose" schon mit 19 Jahren erhalten, konnte aber nichts damit anfangen, eigentlich hatte ich den Test wegen Berufsfindunsschwierigkeiten absolviert und nachher war ich auch nicht schlauer.
Dann habe ich den Test in eine Schublade gelegt und verschwiegen.
Irgendwie habe ich mich geschämt, daß ich nicht mehr aus meinen Fähigkeiten mache, daß ich nicht studiert habe, hatte Angst daß andere hohe Erwartungen an mich haben könnten, die ich dann nicht erfüllen könnte...
Jetzt, viele Jahre später habe ich den Test eigentlich im Zusammenhang mit Therapie aus meinem Unterbewusstsein und der Schublade herausgeholt und ich fange gerade an manches besser zu verstehen und was viel wichtiger ist zu akzeptieren!
Und das bedeutet für mich, daß ich aufhöre,mich überall in Strukturen zu quetschen, in die ich gar nicht hineinpasse, weil ich nun mal anders bin. Aber es ist ok, daß ich anders bin, aber ich habe immer gedacht, an mir ist alles falsch, ich muss dauernd an mir arbeiten, weil ich mich so unverständlich verhalte, weil mich dummes Gequatsche nervt, weil ich überflüssiges Gerede, um Dinge, die mit einem Satz auf den Punkt zu bringen sind, hasse, weil ich so gern alleine bin, weil ich vollkommen zufrieden bin, so alleine, u.s.w.
Und in diesem Zusammenhang fange ich an mich zu beobachten und fange auf einmal an, meine Begabungen als positiv zu werten.
Vorher dachte ich auch nur, was habe ich denn nur davon, daß ich gut Zahlenreihen ergänzen kann und Rechtschreibung kann jedes Computerprogramm besser...
auf einmal freue ich mich daran, daß ich mir alle Telefonnummern so gut merken kann, sogar Handynummern, überflüssig zwar , aber macht Spaß!
und so ist es mit vielen Dingen,
ich nehme es überhaupt erstmal wahr, meine Chaotik ist eigentlich Kreativität, weil ich nämlich lieber jedes Mal einen anderen Weg gehe u.s.w.
ich fange an mich mit meiner Vielfalt zu mögen.
Ich habe es außer meiner Therapeutin aber immer noch niemandem erzählt und ich bin so froh, daß es dieses Forum gibt und daß ich hier auch mal so was uncooles sagen kann, wie ich rechne für mein Leben gern oder ich mochte immer Latein, das war irgendwie so eine Art Kreuzworträtselraten.
Ich glaube, ich bin auf dem Weg, mich zu trauen, mich mehr zu zeigen.
Aber es gibt auch Tage, wo ich denke, daß dieses ganze HB-Gerede alles nur Quatsch ist, Tests sowieso fragwürdig und eine Punktzahl nichts aussagt und ich wer weiß, wenn ich denn Test heute machen würde gar nicht mehr hochbegabt wäre..., aber ehrlich gesagt würde ich das jetzt nicht mehr wollen, denn ich fühle mich schon einbisschen zuhause auf dieser Seite, obwohl ich noch gar nicht so lange dabei bin.
Verfasst am: 29. 01. 10 [19:03]
logomania
Dabei seit: 04.01.2008
Beiträge: 848
Ich bin über den Umweg über die Kinder auf den Trichter gekommen, dass ich auch hb-positiv sein könnte, habe mich dann aber eine Weile nicht an den Test getraut aus Angst, dass es vielleicht doch nicht stimmt und ich mein schönes, neues Weltbild (du bist gar nicht komisch, du bist wahrscheinlich nur hb!) wieder umwerfen müsste.

Irgendwann gab es einen äußeren Anlass, den Test zu machen (Mensa-Gruppentest - wohl zuverlässig und recht günstig), und das Ergebnis hat mich nicht wirklich überrascht, aber in dem Sinne umgeworfen, dass ich dachte: Mensch, wenn du das vorher gewusst hättest, dann!
Ja, was dann? Erstmal war ich frustriert, dass ich es so spät erfahren habe. Ich bilde mir ein, sonst manche Weiche im Leben anders gestellt zu haben, dazu war es nun schon ein bisschen spät. Dann dachte ich: Ach was, besser spät als nie, und habe ein paar Dinge umgekrempelt:
- eine Art natürliches Selbstbewusstsein, das sich aus dem Wegfallen des Falsch-und-Komisch-sein-Gefühls entwickelte (nach dem Motto: "Anders, aber nicht komisch.")
- den Mut, Dinge anzugehen, die ich mir vorher nicht zugetraut hatte (nach dem Motto: "Wer, wenn nicht ich!"
--> Dadurch habe ich einen Job angenommen, den ich mir vorher einfach nicht zugetraut habe, und gerade durch die hohen Ansprüche blühe ich da immer mehr auf. Das ist einfach toll!!
- Und mehr Verständnis für viele Gesprächspartner, da ich das, was mir da immer fehlte, jetzt durch neue Hb-Bekanntschaften/Stammtische/Foren etc. ausgleichen konnte.
- allerdings sind die Ungeduld und Ansprüche an Gesprächspartner, die ich vorher fälschlicherweise auf alle Menschen gestülpt habe, nicht verschwunden, ich stülpe sie aber nur noch auf andere Hbs. icon_wink.gif

Also am Anfang Unsicherheit, inzwischen Zufriedenheit. Manchmal wünsche ich mir aber, normaler zu sein. Ich denke mir, dass das Leben dadurch vielleicht insgesamt unkomplizierter wäre.

"Hmm... Difficult. Very difficult. Plenty of courage, I see. Not a bad mind, either. There´s talent, oh my goodness, yes - and a nice thirst to prove yourself, now that´s interesting... So where shall I put you?"
Verfasst am: 29. 01. 10 [19:47]
Grace
(gelöscht)
Dabei seit: 23.08.2009
Beiträge: 668
- allerdings sind die Ungeduld und Ansprüche an Gesprächspartner, die ich vorher fälschlicherweise auf alle Menschen gestülpt habe, nicht verschwunden, ich stülpe sie aber nur noch auf andere Hbs.


Hihi, die Idee, dass man von Leuten, die zu den 2 Prozent der besten Abschneider von IQ-Tests gehören, mehr erwartet, das kann ich gut nachvollziehen.
Ich denke aber, dass dieses komplett überschätzt wird. HB heißt per Definition, dass zu den 2 Prozent der Bevölkerung gehört, die IQ-Tests am besten lösen können.
Woraus bestehen IQ-Tests? Aus Zahlenreihen etc.etc.
Also, HB bedeutet, dass jemand Zahlenreihen etc. etc. schneller und besser lösen kann. Es ist ja m.E. blödsinnig, an jemanden, der z.B. schneller Zahlenreihen lösen kann irgendwelche Ansprüche (außer, dass er schneller Zahlenreihen lösen kann) zu stellen.

Das andere (das, was mich wirklich interessiert), was ich aber nicht HB nennen möchte, sondern lieber "eine Dimension zu viel haben", das hat wenig mit Zahlenreihen zu tun.
Ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit jemand mit "einer Dimension mehr" zu finden, unter denen, die Zahlenreihen etc. gut können größer ist, aber es gibt keine absolute Deckungsgleichheit. Eine größere Schnittmenge vielleicht - mehr nicht.


[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 29.01.2010 um 19:49.]
Verfasst am: 29. 01. 10 [21:12]
N.A. Schwupps... und schon wieder ist der Fisch aus der Hand geglitten und der Reigen beginnt von vorne.

Grace schrieb:
Also, HB bedeutet, dass jemand Zahlenreihen etc. etc. schneller und besser lösen kann

Ja, dem ist so. Neben Zahlenreihen gibt es graphische Bildchen, reine Texte und der eine schafft es, dahinter ein System zu erkennen, logisch zu denken, gehört somit zu den zwei Prozenten und dem anderen gelingt dies weniger, um diese Hürde zu schaffen. So einfach ist das. Für besonders intelligent darf er sich deswegen nicht minder halten. Ist mir doch auch unbenommen, mich für Napoleon zu halten, was nämlich ebenso eine andere Dimension ist.
Verfasst am: 29. 01. 10 [22:06]
stern2null3
Themenersteller
Dabei seit: 22.12.2007
Beiträge: 5709
Bitte hier KEINE Diskussion über den Sinn und Zweck von IQ-Tests.
Weitere Posts die off Eingangstopic sind werden kommentarlos gelöscht.

Danke.



- weg -



Verfasst am: 30. 01. 10 [10:12]
anouk
Dabei seit: 13.12.2007
Beiträge: 7075
@Grace

Interessant, dass du hier in einem Thread mitdiskutierst, der sich per Umfrage direkt an User wendet, die getestete HB's sind und ihre Eindrücke, Gefühle und Veränderungsprozesse nach der Bestätigung und Erkenntnis der Hochbegabung schildern möchten.

Du kannst gern einen Thread über deine andere Dimension eröffnen, aber erspare uns deine Kommentare, die immer wieder auf den Sinn und Unsinn von IQ-Tests zurückkommen. Außerdem solltest du dich mal ein bisschen genauer über die Vielschichtigkeit der anerkannten Tests informieren, bevor du hier deine in meinen Augen recht unqualifizierten Herablassungen und Fehlinformationen postest.

Manchmal ähnelt Kommunikation dem Gehen in Stilettos auf Kopfsteinpflaster. http://s2.rimg.info/8aad7be95ef1530cba1d004358238412.gif
Verfasst am: 09. 02. 10 [20:25]
AnnieWay
Dabei seit: 09.02.2010
Beiträge: 1
Hi,

ich wurde durch meine "Diagnose" selbstbewusster - was aber u. a. auch ganz klar mit meinem derzeitigen Job zu tun hat. Ich habe infolge von Frust und seelischen Krisen zweimal das Abitur geschmissen und daraufhin vor 1, 5 Jahren angefangen, in der Behindertenhilfe zu arbeiten. Ich bin nun täglich mit Menschen zusammen, mit denen ich verschiedene Erfahrungswerte teile ("Anders - Sein", Ausgegrenzt - werden, Selbstverständlichkeiten - mühsam - erlernen - müssen) und habe gleichzeitig das Gefühl, mich endlich hinsichtlich meiner eigenen Bedürfnisse voll "austoben" zu können. Ich kann mir Gedanken machen, analysieren, interpretieren, (sensibel) beobachten, empathisch sein, mich in die Tiefen der menschlichen Psyche vorgraben und für andere da sein ohne dass es auf Ablehnung stößt. Mag sein, dass es komisch erscheint, wenn ich schreibe ich wäre auf Ablehnung gestossen, wenn ich mich um andere bemühte, aber oftmals war es so. Mein Gegenüber schien wirklich oftmals überhaupt gar nicht zu wissen, was ich von ihm will - was vielleicht auch daran liegt, dass ich immer "Die Komische" war und es mit Sicherheit auch komisch, also strange ist, wenn "Die Komische" dann auf einmal ankommt und Einem helfen will.
Ich werde noch immer regelmäßig mit meinem Anders - Sein konfrontiert und ecke mit anderen an, ohne es zu wollen - aber inzwischen fühle ich mich nicht mehr so allein mit mir selbst und kann es besser ertragen.
Ich hab mich lange Zeit gefragt, ob ich überhaupt zu zwischenmenschlichen Beziehungen fähig bin, weil ich oberflächliche Beziehungen ("Small - talk - Beziehungen") einfach nicht kann, lernte aber inzwischen dass ich Beziehung sehr wohl kann - wenn ich eine gewisse Vorlaufzeit habe, um mich an den neuen Menschen zu gewöhnen und mich ihm gegenüber zu öffnen - und wenn es "erlaubt" ist, sich gegenseitig zu "screenen". Für mich sind Menschen das spannendste Buch überhaupt und ich liebe es, in ihnen zu lesen. Und finde es es beglückend und zutiefst befriedigend, wenn ein Austausch über die Dinge möglich wird, die in dem jeweils anderen gefunden werden.
Ansonsten nunja ... icon_bang.gif : Ich hab mein Abi zweimal geschmissen, weil es mir an den Gymnasien die ich besuchte, nicht gut ging - stehe aber immerhin mit einem Erweiterten Realschulabschluss da, der ja auch schon mal viel wert sein kann. Und sehe einer Ausbildung entgegen (Heilerziehungspflege) auf die ich total "Bock" habe, aber noch nicht weiß wie ich sie (seelisch) schaffen soll, weil meine MitschülerInnen im Schnitt sechs Jahre jünger sein werden als ich und das Ausbildungsniveau an das Leistungslevel der Realschule anknüpft - und es mir ja in der Oberstufe schon so schlecht ging. Immaturenprüfung kommt für mich noch nicht in Frage, da mir die Ausbildung (Zulassungsvoraussetzung) fehlt und selbst wenn ich studieren könnte, würde mich mein Studium bei den aktuellen Studienbedingungen wahrscheinlich alles andere als glücklich machen. Der ganze Formalkram is halt grad irgendwie doof - genauso wie sonst auch icon_wink.gif icon_redface.gif

Grüsse

"Aus einem Land, weit, weit weg..."
Verfasst am: 23. 02. 10 [22:55]
murmel1970
Dabei seit: 17.03.2008
Beiträge: 405
Hi,

Ich hab nach der Testung meiner Tochter von meiner HB erfahren, von meiner Mutter die es mir über 30 Jahre lang verheimlicht hat.
Und mit einem mal konnte ich jeden verletzenden Wink zuordnen.
"ich denk du bist so schlau" oder "Intelligent war das jetzt nicht"
Ich fühlte mich als Kind so dumm und Lebensuntüchtig, klar habe ich geahnt, dass andere irgendwie nicht so schnell denken wie ich, aber die hatten bessere Noten, dass war irgendwie verwirrend.

Auch wenn ich ihr nicht alles verzeih, ich hab im Umgang mit meiner Tochter ein wenig Verständnis für meine Mutter bekommen.
Communities und Brackmann Bücher gab es damals eher nicht und der Tester hat meiner Mutter abgeraten mir von dem Ergebnis zu erzählen, weil er fürchtete ich würde Überheblich werden.

Ich seh das jetzt schon mal als positiven Aspekt.
mit unserer HB gehe ich eigentlich halb offen um.
Ich stell mich nicht hin und flüstere hinter vorgehaltener Hand"psst ich bin HB du auch???"
Ich bin einfach ich, meine Freunde und Bekannte kommen ganz selbstverständlich auf mich zu und fragen, ob ich dies oder jenes wüsste.
Ich weiß es, früher war mir das peinlich. Aber irgendwie ist es normal und war es schon immer.

Also kann ich etwas,
ich hab so einen Müll in meinem Kopf und meistens kann ich sogar noch sagen, wann und in welchem Zusammenhang ich ihn aufgesogen habe.

Was ich mir abgewöhnt habe, ist wenn ich mich heute mit jemanden über ein Thema diskutiere, das ich vor 5 Jahren schon einmal mit diesem Jemand geführt habe, kann ich ihm fast wort wörtlich sagen, was für Argumente er aus welchem Grund anführte.
Heute tue ich einfach so als wäre es das erste mal, dass wir drüber reden.

Smal Talk finde ich immer noch öde

und ich würde gerne das "Nichtschülerabitur" mach. Ich hab auch alle Bücher zu hause, leider habe ich keine Ahnung wie ich anfanden soll.

Ich bin auch immer noch Arbeitslos

ich hab immer noch Macken icon_cheesygrin.gif

Und ich bin eine Bärenmama,
ich hab damals als allererstes meiner Mutter und meinem Bruder verboten, gegenüber meiner Tochter kritik zu üben. weil sie nicht "normal" ist,
stimmt sie ist vielseiteiger, gewitzter, hat einen beißenden Ironischen Humor, sie ist empatisch, liebenswürdig, stur, halsstarrig, egozentrisch, phantasievoll und sie diskutiert für ihr leben gern über alles und jeden.
Das ist superanstrengend, aber mittlerweile will ich es gar nicht mehr anders haben.





Liebe Grüße Chris
______________________________
"Alles was schon hinter Dir liegt und alles was noch vor Dir liegt ist nichts im Vergleich zu dem,
was in Dir liegt." Unbekannter Autor

ich weiß, dass ich nichts weiß (sokrates)
Verfasst am: 16. 04. 10 [21:38]
moiraine4
Dabei seit: 15.04.2010
Beiträge: 2
Die Diagnose HB habe ich seit über 25 Jahren. Vor ca. 9 Monaten bin ich zum ersten mal jemandem begegnet, der mir in Ansätzen erklärt hat, was es bedeutet, der mich versteht (zwei geniale Therapeuten).
Ich war zum ersten mal seit vielen Jahren normal. Kein Psycho, eben nur HB. Daraufhin habe ich mich näher mit dem Thema und den Konsequenzen für mich beschäftigt. Von diesem tollen Gefühl "nicht vom anderen Stern zu kommen wollte ich mehr".
Habe meinen Job gekündigt, etwas ganz anderes angefangen, verstehe mein Anderssein als Potential und nutze es. Es geht mir so gut.

Und wenn die anderen mich anders oder komisch finden ...
Was solls, ich finde es ja oft auch komisch, wofür sie sich so interessieren
Verfasst am: 11. 07. 10 [18:04]
diedina
Dabei seit: 04.04.2009
Beiträge: 94
Ja- besonders hinsichtlich meiner inneren Zufriedenheit, und im Umgang mit meinem Umfeld. Die Akzeptanz, die ich mir von meinen Mitmenschen immer gewünscht habe, und heute noch wünsche, kann ich selbst ihnen heute einfacher entgegenbringen. Früher war ich einfach nur ´anders´, ´komisch´, ohne dass ich mir erklären konnte, weshalb ich so anders bin wie jeder andere. Das hat mich schwer beschäftigt. Heute, kann ich mein bisheriges Leben unter einem neuen Blickwinkel betrachten. Viel besser kann ich auch mit meinen Mitmenschen umgehen. Sie sind mir deshalb nicht näher gekommen, Diskrepanzen gibt es immer noch, aber so, wie ich weiss, warum ich bin, wie ich bin, weiss ich auch, weshalb sie so sind, wie sie sind.
Verfasst am: 11. 07. 10 [19:06]
Nicki999
(gelöscht)
Dabei seit: 18.06.2010
Beiträge: 473
moiraine4 schrieb:

Und wenn die anderen mich anders oder komisch finden ...
Was solls, ich finde es ja oft auch komisch, wofür sie sich so interessieren


icon_lol.gif Finde ich klasse!

In eine ähnliche Richtung laufen nun auch meine Gedanken. Für mich war es ein Schritt zu mehr Selbstsicherheit, Selbstvertrauen. Aber da sehr spät erkannt (dank Umfrage bin ich anscheinend eine der Ältesten im Forum), fällt es mir jetzt leider schwer, aus diesen alten Fühlstrukturen herauszukommen.
Es war keine reine Erleichterung. Ganz zu Beginn machte sich beinahe ein Gefühl von Rache in mir breit. Ich hatte nämlich zwar durchaus berufliche Erfolge zu verzeichnen, aber sehr hart gegen vielfachen Neid zu kämpfen. Dabei war zeitweilig die Gesundheit völlig draufgegangen. Und als ich deswegen vor wenigen Jahren nicht mehr weitermachen konnte (selbständig gewesen) und meine Existenz verlor, fanden sich alle Geier ein, um den Kadaver zu verspeisen. Gekreist hatten sie jahrelang.
Dieses "anders" haben sie mich halt immer spüren lassen, vor allem, weil ich vorher nie ganz auf die Nase fiel. Da ging immer noch etwas. Ich fand für fast jedes Problem trotzdem noch eine Lösung. Darum sage ich heute: es geht alles, Hauptsache, die Gesundheit spielt mit.

Ich habe also komplett neu beginnen müssen, an einem anderen Ort, allerdings jetzt auch in einem ganz anderen Beruf. Einem, der zu mir passt, kreativ ist und in welchem ich sehr zufrieden bin.
Alleinkämpfer war ich immer und werde es wohl auch bleiben. Da hat sich nichts verändert. Ich habe nette Kinder und das ist was Wundervolles für mich.

Noch schwemmt es gelegentlich leichte Verbitterung nach oben. Allerdings liebe ich das Leben zu sehr und lache zu gerne, um mich davon länger als paar Tage wegreißen zu lassen. Vorkommen tut es immer noch. Dann werde ich auch vollkommen unnachsichtig. Radikal nennen es manche, zurecht.

Es wird noch dauern. Noch ist es erst ein Jahr her, seit ich es weiß. Und doch gefällt es mir jetzt wesentlich besser, seit ich weiß, dass ich nicht von einem anderen Stern komme und hier versehentlich vergessen wurde. icon_wink.gif

Ich denke nunmehr gerne, gehe gerne den Dingen auf den Grund. Früher hielt ich das nicht für normal, sagten ja auch die anderen. Hinterfrage alles mit wesentlich mehr Lockerheit, weiß ich doch, dass es einfach zu mir gehört und "ich mir das erlauben darf".
Mir erklären sich nun auch viele Verhaltensweisen anderer. Ich erwarte nicht mehr innendrin, dass sich andere gefälligst "Bemühen", weil ich selber es doch so schwierig gar nicht fand. Ich weiß, dass es viele einfach nicht anders können. Geht also auch ein Stück zu mehr Akzeptanz der anderen. Es fällt mir jetzt schon etwas leichter, einfach mal mit den Schultern zu zucken.
Verfasst am: 16. 07. 10 [03:31]
Cloudeater
Dabei seit: 02.07.2010
Beiträge: 418
Was die Testung für mich verändert hat...Puh!
Sie hat alles umgekrempelt.

Das wichtigste ist wohl, dass ich mich vor der "Diagnose"(denn es musste mich erst jemand darauf hinweisen und mich davon überzeugen) für auf merkwürdige, nicht zu benennende Weise dumm gefühlt habe, weil ich in den vergangenen 40 Jahren irgendwie nie richtig reinpasste. So sehr ich auch versucht habe, mich einzufügen... irgendwie hat´s nie richtig funktioniert (manchmal war das für andere gar nicht offensichtlich sondern nur für mich spürbar).
Ich komme aus einer "Wenn-es-nicht-klappt-hast-du-dich-nicht-genug-angestrengt"-Familie.
Ergo habe ich mich angestrengt, mich anzupassen, bis Körper und Seele schlapp gemacht haben. Ich wusste also: noch mehr anstrenegen geht nicht. Wenn ich es also bei maximaler Anstrengung und um´s Verrecken nicht schaffe, mich anzupassen, dann bin ich wohl zu doof dafür. Oder gestört. In jedem Fall (da kommt wieder meine Familie in´s Spiel) bin ich wohl selber schuld. icon_neutral.gif

Darauf, dass ich die meiste Zeit versucht habe, mich in das "falsche" Umfeld einzufügen - sprich in eines, das denkbar schlecht zu mir passt - wäre ich nicht ohne Hilfe von außen gekommen. Vermutlich hätte ich immer weiter mit mir gehadert... ich bin nicht gut genug, ich strenge mich nicht genug an, es ist alles meine Schuld... icon_cry.gif und immer so weiter.

Von ICH BIN VERMUTLICH DER DÄMLICHSTE MENSCH AUF ERDEN icon_bang.gif
zu ICH HABE EINEN GANZ GUTEN KOPF AUF DEN SCHULTERN UND MUSS IHN NUR ANDERS/AN ANDERE STELLE EINSETZEN icon_mrgreen.gif
ist ein ziemlich weiter Weg, den ich aber nach der Testung in sehr kurzer Zeit zurückgelegt habe.

Was hat die Testung mir also bisher gebracht? Sie hat mir das Gefühl zurück gegeben, einen Platz in dieser Welt zu haben. icon_roses.gif

"Das wahre Geheimnis dieser Welt ist das Sichtbare, nicht das Unsichtbare."
Oscar Wilde