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Sat, 19. May 2012 - 03:46 (CEST)

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Buchtipp im Detail
Kategorie: Gesellschaft - Ratgeber
Feeling good Buchtitel: Feeling good
  Depressionen überwinden. Selbstachtung gewinnen 
Autor: David D. Burns
Verlag: Junfernmannsche Verlagsbuchhandlung, Paderborn
Ausgabe: 3. Aufl. - 21.06.2011
Preis: €32,90
ISBN (10 Stellen): 3873876280
ISBN (13 Stellen): 979-3873876286
Anzahl Seiten: 416, Kartoniert
Teaser:

Wenn ich David D. Burns einen Tipp geben sollte, was er besser machen könnte, würde ich sagen: Gib‘ dem Buch einen anderen Titel! Es wirkt dadurch billig und wie eines der zehntausend Selbsthilfebücher, die man in den Bahnhofs-Buchhandlungen findet. Auch ich hätte es beinahe ins Regal zurück gestellt, aber ein Kunde neben mir sagte: „Das ist das beste aller Bücher zum Thema Depression und es hat mir wirklich geholfen.“ Und mehr, aber auch nicht weniger, kann ich abschließend auch nicht sagen: Es hat mir wirklich geholfen.

Rezension:

Wer depressiv ist, denkt ‚falsch‘ – das ist der simple Ansatz des US-amerikanischen Psychiaters David D. Burns, der ausgehend von dieser Prämisse ein Buch geschrieben hat, das nicht allein gelesen werden will, sondern mit dem über Wochen hart gearbeitet werden muss. Ein Arbeitsbuch also. Burns erläutert anschaulich sein Konzept der kognitiven Therapie, das im Grunde besagt, dass allein unser Denken dafür verantwortlich ist, wie wir uns fühlen. Äußere Umstände und Erlebnisse sind an sich neutral. Erst die Art und Weise, wie wir darüber denken und wie wir sie bewerten, lassen die entsprechenden (hier negativen) Gefühle in uns entstehen. Ein Beispiel: Jemand ist verlassen worden (durch das Ende einer Beziehung oder durch den Tod eines Menschen) und denkt nun in engen Spiralen immer wieder: Jetzt bin ich ganz allein, ich kann nie wieder glücklich sein ohne diesen Menschen, mein Leben hat seinen Sinn verloren. Burns spricht hier von ‚kognitiven Verzerrungen‘ des Denkens. Er fordert seine Leser auf, diese Gedanken zu identifizieren und aufzuschreiben und die jeweilige kognitive Verzerrung dahinter zu erkennen. Dazu hat er einen Katalog der häufigsten Verzerrungen erstellt z.B. Alles-oder-Nichts-Denken, übertriebenes Verallgemeinern, Wahrsagen etc. Mit dem Wissen, dass diese Gedanken schlicht ‚falsch‘ sind, soll der Leser nun einen rationalen Gegenentwurf niederschreiben und in Opposition zum Ausgangsgedanken visualisieren. „Jetzt bin ich ganz allein.“ Falsch: Übertriebenes Verallgemeinern – „Kein Mensch ist ganz allein: Du hast Freunde, Kinder, Arbeitskollegen, die Dich schätzen etc.“
 
  Das Ganze klingt so banal, dass ich anfangs an mich halten musste, um das Buch nicht in die nächste Ecke zu werfen. Aber ich habe mir die Mühe gemacht, alle meine endlos wiederkehrenden Gedanken aufzuschreiben, sie zu analysieren und ihnen rationale Positionen gegenüber zu stellen. Und es wirkte! Je deutlicher ich mir die Irrationalität meiner ‚falschen‘ Gedanken buchstäblich vor Augen führte, desto besser ging es mir. Von da geht Burns weiter und gibt ähnliche praktische Tipps (alle nach ähnlichen Prinzipien des Aufschreibens, Reflektierens und Erkennens), wie man sein Selbstwertgefühl stärkt, Lethargie überwindet, mit Kritik angemessen umgeht und Schuldgefühle bezwingt. Er macht auch klar, dass Traurigkeit nicht dasselbe ist wie Depression, schreibt über die Sucht nach Liebe und Anerkennung und die Frage, wie man seinen Perfektionismus überwinden kann.
 
 Nach dem ersten Teil, der sich damit befasst, wie man sich aus einer konkreten Depression befreit, erläutert Burns, wie man sich ‚aufstellen‘ kann, um mit den Belastungen des Alltagslebens künftig besser fertig zu werden und einen Rückfall zu vermeiden.
 
 Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich unverzüglich einen Therapeuten suchen und auf gar keinen Fall versuchen, sich alleine zu behandeln, denn das Buch soll und kann keine Therapie ersetzen. Es kann eine solche aber auf höchst sinnvolle Weise begleiten und ergänzen.
 

Dieser Text stammt von innersmile